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2003-06 Pegasus Drachenfest

Do, 5. Juni 2003

Bereits um 10:30 Uhr trafen wir in St. Goar – Werlau ein. Es war eine gute Idee soooo früh aufgestanden zu sein. Ungehindert konnten wir die 650 km zurücklegen. So gegen 13:30 Uhr fuhren wir dann auf die Festwiese. Alfred Zimmermann, Ralf, Rouven Freischlad und Thomas Müller waren bereits dabei das Verkaufszelt aufzustellen. Ein zweites Zelt stellten wir dann alle gemeinsam auf.Alfred begann, die einzelnen Flugfelder abzustecken. Dann, als gerade die Getränkeversorgung eintraf, fing es plötzlich an zu schütten wie aus Kübeln. Nur weiter so... was heute runterkommt, kommt morgen nicht! Wir flüchteten vor dem heftigen Gewitter in unsere Autos. Doch schon bald war der Spuk wieder vorbei. Also raus auf die Wiese zum Fliegen...bei herrlichem Sonnenschein. Den Abend ließen wir dann in der Pizzeria ausklingen. Dann zogen wir uns in unsere gemütliche Ferienwohnung zurück. Noch sind wir ja nur zu Dritt im Haus, aber schon morgen wird das ganz anders sein.

Fr, 6. Juni 2003

Um 9:30 Uhr klingelte der Wecker, aber der verrückte Hahn hinter dem Haus, hatte uns schon lange vorher geweckt. Ein völlig neues Gefühl für uns Stadtmenschen. Dann zog es uns auf die Wiese. Heute würde wieder ein richtig heißer Tag werden, also mußte zunächst der Sonnenschutz aufgebaut werden. Es wehte ein wunderbar leichter Wind, ideale Bedingungen zum TT-Fliegen.

Im Laufe des Tages füllte sich die Wiese mehr und mehr. Gegen Mittag trafen Malte Hinz und Thomas Schmid ein, es gab ein großes "Hallo". Dann fuhren wir zum Bahnhof um Stefan Roth abzuholen. Er ist mit dem Zug aus der Schweiz angereist.
Inzwischen war es brütend heiß. Am Vorführfeld standen im Abstand von jeweils ca. einem Meter drei Banner.... jedes zeigte in eine andere Richtung. Sowas, hab’ ich auch noch nie gesehen. Naja, egal zum Fliegen war es jetzt eh viieel zu heiß. Jede Bewegung war eindeutig eine zu viel. Also lieber zuschauen, wie der Platz um die Flugfelder sicht füllte und liebe Drachenfreunde begrüßen. Dieter Dreistadt, Familie Klimke, Johann Kilzer und Uta Uhmann, Christopher Kampa, Famile Ulke, Horst Blacha und noch viele weitere bekannte Gesichter. Dieter hatte einen ganzen Koffer mit Jonglier-Equipment dabei. Sehr zur Freude von Malte und Oli. Sie testeten sich schnell durch das ganze Sortiment. Eine nette Abwechslung zum Fliegen.

Zwischenzeitlich mußten wir uns immer mal wieder in den Schatten retten. Glücklicherweise gab es am Nachmittag die ersten Wolken. Gegen 19 Uhr fuhren wir kurz in unsere Ferienwohnung, um uns für den Abend umzuziehen. Ein Blick in den Spiegel verhieß nichts Gutes: wir hatten eindeutig zu viel Sonne getankt! Oh Oh, morgen sollten wir unbedingt den Lichtschutzfaktor aufstocken. Wieder zurück auf der Wiese, waren diverse Piloten am TT-UL fliegen. Bei idealen Bedingungen, in den Sonnenuntergang hinein. Schööön! Die Musik-Anlage war bereits in Betrieb, die Beschallung war einfach Spitze, wie schon im letzten Jahr.

Für unser leibliches Wohl sorgte das THW-Team mit einem leckeren Süppchen. So gestärkt saßen wir dann noch nett beisammen. Gegen 22:00 Uhr zog es uns dann in die Ferienwohnung. Heute sind alle Zimmer gut belegt, es war ordentlich was los im Haus. Abschließend kündigte Rouven noch an, dass er morgen früh SPÄTESTENS um 9:30 Uhr auf der Wiese sein will. Da sind wir aber mal gespannt...

Sa, 7. Juni 2003

Oje, er hat es wahr gemacht. Ab 7:30 Uhr war richtig Tumult im Haus, es wurde bereits heftig an unsere Tür geklopft. OK... schon überredet. Wir sind ja schließlich auch zum Drachenfliegen hier. Nachdem wir unsere sonnenstrapazierte Haut gründlich gesalbt hatten, gab es lecker Frühstück. Und um Punkt 9:30 Uhr standen wir alle auf der Wiese! Rings um die Flugfelder standen nun dicht an dicht Wohnwagen und Zelte, kein freies Fleckchen war mehr zu sehen. Einfach Klasse. Klar war, dass es heute wieder richtig knackig heiß werden würde. Glücklicherweise wehte jedoch ein angenehmer Wind.
Der Himmel war bereits gut mit diversen Einleinern bestückt. Ideale Verhältnisse für ein Drachenfest. Um 10 Uhr wurde das Fest offiziell von Alfred eröffnet. Um 11 Uhr gab es dann für die Presse einen Massenstart mit Allem was fliegt. Anschließend vertreibt uns die sengende Sonne aber bald wieder vom Feld. Als Nächstes stand Crash-Fliegen auf dem Programm. Immer zwei Piloten starteten gegeneinander. Uwe Klimke machte dabei das Rennen. In der Zwischenzeit versammelte Dieter Dreistadt Interessenten für die Teamflugschule. Geplant war, dass die Piloten zusammen trainieren um morgen dann eine Vorführung zu machen. Da haben sie sich ja etwas vorgenommen, schließlich sind die Teilnehmer noch nie zusammen geflogen. Mittags gab es dann die Kainos-Präsentation. Dieser Drachen ist das Resultat des letzten Pegasus-Wokshops. Am Himmel gab es ein sehr schönes Bild, denn jeder Drachen hatte seine ganz persönliche Note. Zwischendurch sind auch wir immer mal wieder zum Fliegen auf die Wiese gegangen. Später hat es sogar ein wenig geregnet, allerdings ohne jegliche Abkühlung. Der grosse Regen zog glücklicherweise an der Festwiese vorbei.

Ulli Kobusch aus Wilhelmshaven hatte seinen soeben fertig gestellten TrickTail Selfmade dabei, allerdings noch ohne Waage. Dank aktiver Unterstützung diverser Fachleute war das aber schnell erledigt, sodass Ulli den Drachen gleich einfliegen konnte. Ist ein wirklich schöner Drachen geworden. Dann rief Alfred zur Zusammenkunft der TrickTail-Piloten auf. Ein Massenphoto sollte geschossen werden. Wir hatten ja aus Amerika ein Photo mit 18 TT’s erhalten. Das galt es jetzt zu toppen. Wir haben es auf sage und schreibe 53 Drachen gebracht. Keine leichte Aufgabe, die alle auf ein Bild zu bekommen. Aber wo ein Wille ist...

Fridolin Anders, der Erbauer des Mandala war auch auf dem Fest. Es war sehr nett, ihn kennen zu lernen. Seine Drachen sind allesamt echte Kunstwerke. Außerdem hat es riesigen Spaß gemacht, ihm beim Umgang mit seinem Mandala zu beobachten. Das ist ansteckend, da bricht doch beim Zuschauer gleich wieder die Mandalaria aus (auch so ein hartnäckiger Drachenvirus!).

Ab 19:00 Uhr leerte sich das Flugfeld mehr und mehr. Dazu gab es den sahnigsten Wind, den die Welt je gesehen hat. Also ran ans Material. Das war zum verrückt werden schön. Bald waren fast ausschließlich TT’s am Himmel.

Als es dunkel wurde startete Dieter Dreistadt seine Feuer- und Jonglier-Show. Diesmal hatte er Unterstützung von seinem Sohn. Tja, der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm. Echt gut, der Nachwuchs.

Anschließend zog uns der knurrende Magen zum THW-Zelt. Heute jagte den ganzen Tag ein Programmpunkt den nächsten, da haben wir glatt das Essen vergessen. Während wir da so gemütlich saßen, zogen draußen weiße Luftballons an uns vorbei. Immer drei Ballons, hielten zusammen und waren mit einer Wunderkerze bestückt. Wie an einer Schnur aufgefädelt schwebten sie lautlos in den Himmel. Echt märchenhaft, zum Fotografieren war es nur leider schon zu dunkel. Es folgte das Nachtfliegen mit abschließendem Feuerwerk. Als alles vorbei war, sind noch einige Piloten mit ihren nachtflugtauglichen Zweileinern auf die Wiese. Das war nun DER Zeitpunkt unseren Reflexband-bestückten Vapor zu testen. Inzwischen war kaum noch ein Windhauch zu spüren, also genau die richtigen Bedingungen. Echt schön, diesen Drachen mal am Himmel zu sehen. Er fristet sonst ein eher ärmliches Dasein in unserer Drachentasche. Dann packten wir langsam unsere Sachen ein und trafen uns in der FeWo mit unseren Mitbewohnern. Lange saßen wir nicht mehr zusammen, wir waren alle ganz schön fertig.... aber glücklich über den erlebnisreichen Tag.

So, 8. Juni 2003

Aufstehen um 8:30 Uhr... diesmal ohne Hahn. Das war gut. Rouven war schon unterwegs Richtung Wiese zum Frühstück beim THW. Wir anderen mußten erstmal langsam wach werden und schwatzten noch über den gestrigen Tag. Schon jetzt brannte die Sonne wieder vom Himmel, also nochmal gut eingeschmiert und raus auf die Wiese. Bei recht knackigem Wind stand der Himmel bei unserer Ankunft voller Drachen. Auf dem Zweileiner Feld war kaum noch Platz für weitere Piloten. Für mich war klar, dass ich mich heute sehr vor der Sonne in acht nehmen sollte. Die Hautrötungen hatten trotz hohem Lichtschutzfaktor ein grenzwertiges Ausmaß angenommen. Da heute eindeutig Großdrachen und Einleiner-Tag war, traf sich das gut. Ich hatte viel Zeit zum Fotografieren. Alle halbe Stunde blähte sich auf dem Einleiner-Feld hinter unserer Strandmuschel ein neues Peter-Lynn-Objekt auf. Auch Uta Uhmann stand mit ihrer Video-Kamera bereit, ließ sich keines dieser Objekte entgehen. Schließlich sieht man sowas ja nicht alle Tage. Fridolin Anders war heute mit weiteren seiner Flugobjekte dabei. Es gab außer dem Mandala, noch die Kreissäge, das Schiff und den Bobber. Dieser Drachen sieht aus wie eine Raumstation, tolle Idee.
Am Vormittag versammelten sich dann die Trickflugschul-Teilnehmer mit ihren 21 Century's für ein Gruppenfoto.

Um 14:00 Uhr wurde der Mysterie-Freestyle-Contest gestartet. Es nahmen 12 Piloten teil. Oli und ich hatten uns ebenfalls von Alfred überreden lassen. Ich war ganz schön aufgeregt, denn schließlich hatten wir noch nie an einem Wettbewerb teilgenommen. Der Himmel war inzwischen bleigrau, zwischendurch fielen auch schon die ersten Tropfen. Bis wir dann dran waren, hatten wir uns zum zehnten Male umentschieden, welchen Drachen wir fliegen wollten. Es war dann schließlich doch der TT200. Es flogen immer zwei Piloten gegeneinander zu einer vorher unbekannten Musik. Die Zuschauer entschieden, wer in die nächste Runde kam. Ich staunte nicht schlecht, als ich mich dann, zusammen mit Thomas Müller und Dieter Dreistadt im Finale wiederfand.

Es war nicht leicht bei fast Nullwind zum knackigen „Time Walk“ aus der "Rocky Horror Picture Show" etwas zu zaubern. Hat aber riesig Spaß gemacht. Für mich ist der Zweite Platz dabei herausgekommen, Thomas Müller wurde Erster. Hinterher waren wir völlig fertig von dem Gerenne. Aber im Bierzelt wartete ein Freigetränk für alle Teilnehmer. Das war eine tolle Sache. Als ich hinterher die leere Flasche zurückbringen wollte, sprach mich ein kleiner Junge an: „Bist Du nicht die Susi? Ich fand ja Dich am besten beim Fliegen, aber meine Mama fand den Thomas besser.“ Hey, ich hab schon einen Fan, wer hätte das gedacht. Ich habe mich wirklich geschmeichelt gefühlt.

In der Zwischenzeit sah der Himmel ganz schön Finster aus, es zogen rabenschwarze Wolken auf. Alfred versteigerte gerade diverse Drachen zugunsten von Fredi, dem Besitzer der Wiese. Wäre wirklich Schade, wenn ausgerechnet dieser Programmpunkt jetzt ein jähes Ende finden würde. Hat aber gerade noch so geklappt. Allerdings wurde der Wind immer biestiger. Leider kam außerdem auch langsam so eine Abschiedsstimmung auf. Es wurden viele Hände geschüttelt und liebe Drachenfreunde zum Abschied feste gedrückt. Nach und nach verließen sie die Wiese.

Da es glücklicherweise noch immer nicht regnete, folgte die Prämierung der Eigenbauten. Wahnsinnige Konstruktionen gab es da zu sehen. Stefan Roth aus der Schweiz belegte mit seinem Kainos den zweiten Platz. Den Ersten belegte die große Snowflake von Bertram. Irre, was da für Arbeit drinsteckt. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Plötzlich flog mein TT200, der an der Rückseite unserer Strandmuschel gelehnt hatte, an mir vorbei, Richtung Zuschauer-Bänke. Oli’s TT200 trudelte in die andere Richtung. Oje, und dann ging es richtig los. Schlag 17:00 Uhr war das angekündigte Unwetter da. Jetzt aber schnell alles eingepackt und zum Auto geschleppt. Nur die Strandmuschel ließen wir noch zurück. Überall wirbelte der Staub herum, Sandsturm in der Wüste muß sehr ähnlich sein. Auf dem Rückweg vom Auto goß es dann im Strömen, wir waren selten in so kurzer Zeit so durchnäßt gewesen. Wieder auf dem Festplatz, kämpften die Leute vom Pegasus-Shop um ihre Zelte. Diverse Piloten, hingen in den Seilen und versuchten, die Zelte an ihrem Platz zu halten. Wir sind auch mit dazu gekommen. Gemeinsam verhinderten wir das Wegfliegen, aber es war wirklich knapp. Alle waren naß aber unversehrt, das Material hatte auch gehalten. Also huschten wir bester Stimmung rüber ins Bierzelt. Dorthin hatten sich alle Besucher geflüchtet, die dem Unwetter nicht schnell genug entfliehen konnten. Es war tolle Stimmung, und richtig gemütlich. Nur... langsam wurde es echt kalt in den nassen Klamotten. Schließlich hatte es sich ordentlich abgekühlt. Die Vernunft trieb uns dann doch in die Ferienwohnung unter die heiße Dusche. Stefan Roth begleitete uns noch, auch er fährt erst morgen wieder zurück. Anschließend stillten wir unseren Bärenhunger in der Pizzeria und ließen die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren. Es war ein absolut gelungenes Fest, der weite Weg hatte sich wirklich gelohnt. Auch Stefan war ganz begeistert. Wir hoffen, daß wir uns im nächsten Jahr wieder hier treffen werden.

Susanne Richter für TrickTail.de im Juli 2003